Mehr Stabilität durch Stärkung der 2. Säule
Das österreichische Pensionssystem steht vor großen Herausforderungen: Der Finanzierungsdruck steigt, da das System fast ausschließlich auf dem Umlageverfahren basiert.
Das österreichische Pensionssystem basiert fast ausschließlich auf dem Umlageverfahren. Bereits heute sind über 30 Milliarden € staatliche Zuschüsse jährlich erforderlich, um die laufenden Pensionen zu finanzieren. Gleichzeitig wächst die Belastung durch die demografische Entwicklung: Während das Verhältnis der Menschen im Erwerbsalter zu Pensionist:innen 1910 noch 9:1 betrug, wird es bis 2050 auf 2:1 sinken.
Bei einem gemeinsamen Pressegespräch erläuterten Valida Vorsorge Management und ECO Austria zentrale Herausforderungen und zeigten konkrete Vorschläge, wie das Pensionssystem langfristig stabilisiert und generationenfit gestaltet werden kann. Valida-CEO Martin Sardelic, Vorstandsmitglied Philipp Mayer und Monika Köppl-Turyna, Direktorin von ECO Austria, betonten die Bedeutung einer starken zweiten Säule als unverzichtbare Stütze für die Zukunft.
Monika Köppl-Turyna zeigte anhand des Beispiels Dänemark, dass ein starkes Mischsystem aus Umlage und Kapitaldeckung deutlich resilienter ist und langfristig höhere Leistungen ermöglicht.
„In Österreich haben wir das Potenzial der zweiten Säule noch nicht ausgeschöpft. Umso wichtiger ist es, rasch von erfolgreichen Pensionssystemen zu lernen – nicht nur, um unsere Altersvorsorge zukunftssicher zu machen, sondern auch, um unsere Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken“, so Köppl-Turyna.
„Der Finanzierungsdruck für den österreichischen Staat ist enorm, gleichzeitig ist die zweite Säule noch zu schlank, um das Pensionssystem nachhaltig zu stabilisieren. Länder wie Dänemark zeigen, wie ein zukunftsfähiges System mit einer starken zweiten Säule ausschauen kann“, so Martin Sardelic.
Zukunftsfähiges Mischsystem: 70 % Umlage, 30 % betriebliche Vorsorge
Ein stabiles Mischsystem, bei dem rund 30 % der Pensionen aus der zweiten Säule kommen, kann die Pensionen für künftige Generationen sichern. „Aus einem Zahnstocher wird so eine wichtige Stütze im System. Ein Mehrsäulenmodell streut Risiken deutlich breiter und gewährleistet ein entsprechend höheres Maß an Stabilität“, betonte Mayer. Die betriebliche Vorsorge soll dabei flächendeckend für alle Erwerbstätigen zugänglich werden.
Profitieren würden von einem solchen Mischsystem alle: Der Staat, weil sinkende Zuschüsse den öffentlichen Haushalt spürbar entlasten; die Generation Alpha (ab Jahrgang 2011), die in ein stabileres und nachhaltiges System hineinwächst; alle Erwerbstätigen, die durch eine effizientere Kapitalanlage und eine flächendeckende betriebliche Vorsorge bessere Chancen auf eine höhere Zusatzpension erhalten; sowie die Volkswirtschaft, die langfristig von einer höheren Kaufkraft künftiger Pensionist:innen profitiert.
Notwendige nächste Schritte
„Ein erster wichtiger Schritt in Richtung eines zukunftsfähigen Mehrsäulenmodells wäre, die Abfertigung Neu künftig verstärkt der Pensionsvorsorge zu widmen. In der Regel sollten die Abfertigungsguthaben von den Betrieblichen Vorsorgekassen bis zum Pensionsantritt renditeoptimiert veranlagt und anschließend mittels Generalpensionskassenvertrag als Zusatzpension verwendet werden", so Mayer.
Mehr Expertenwissen im Blog und YouTube-Kanal
In unserem Blogbeitrag widmet sich Philipp Mayer ausführlich dem Aufbau des österreichischen Pensionssystems, seinen Stärken und Schwächen sowie Reformideen für die betriebliche Vorsorge.
Auf unserem YouTube-Kanal erfahren Sie in der Interviewserie „Kurz. Klar. Kompetent.“ alles Wichtige zur betrieblichen Pensionsvorsorge – von „Abfertigung Neu“ über „Eigenbeiträge“ bis hin zu „Kapitalanlage von Pensions- und Vorsorgekassen“.