Umfrage: Betriebe und Mitarbeitende sehen Reformbedarf und wünschen sich eine flexible zweite Säule
Wien, am 14.07.2026
- Österreichisches Pensionssystem laut den Befragten vor allem aufgrund des demografischen Wandels nicht zukunftsfähig
- Betriebliche Vorsorge muss stärker werden
- Nach wie vor geringes Wissen zu den drei Säulen im Pensionssystem
Das österreichische Pensionssystem steht vor großen Herausforderungen. Eine qualitative Befragung im Auftrag der Valida Vorsorge Management zeigt, dass der Reformdruck vor allem durch den demografischen Wandel deutlich steigt. Das Wissen rund um die betriebliche Vorsorge und das Vertrauen sind noch immer unzureichend ausgeprägt. Angesichts der kürzlich von der Regierung präsentierten ersten Reformschritte machen die Ergebnisse deutlich: Es braucht nicht nur strukturelle Reformen, sondern mehr Transparenz, Information und ein generelles gesellschaftliches Umdenken.
Österreichisches Pensionssystem ist reformbedürftig
Die Valida hat das Meinungsforschungsinstitut Triple M mit einer qualitativen Erhebung in Form von Fokusgruppen beauftragt. Im Frühjahr wurden Arbeitnehmer:innen, Arbeitgeber:innen, Geschäftsführer:innen und HR-Verantwortliche unterschiedlichsten Alters und aus unterschiedlichen Branchen befragt.
Die Studie zeichnet ein klares Bild: Das österreichische Pensionssystem wird von allen Befragten als reformbedürftig wahrgenommen, insbesondere aufgrund des demografischen Wandels und der steigenden Belastung für das Umlagesystem. Der Wunsch nach einer starken zweiten Säule ist daher groß.
Triple M Geschäftsführerin Christina Matzka: „Die Befragten rechnen damit, dass sie rund 50% ihres Nettogehalts künftig als Pension bekommen. Dies zeigt das sehr geringe Vertrauen in das System und eine große Unsicherheit. Die zweite Säule wird aktuell stärker wahrgenommen als sie tatsächlich ist, auf Nachfrage fehlt aber grundsätzliches Wissen zur betrieblichen Vorsorge.“
Große Wissenslücken bei der betrieblichen Vorsorge
Die Befragung zeigt erhebliche Defizite im Verständnis der zweiten Säule. Viele Teilnehmende verbinden die betriebliche Vorsorge weiterhin vor allem mit der früheren Abfertigung. Die Abfertigung Neu wird aufgrund der häufig gewählten Option der Einmalauszahlung meist gar nicht als Teil der Pensionsvorsorge wahrgenommen. Auch die tatsächliche Höhe und die Auswirkung der Beiträge auf die Pension sind in den meisten Fällen unklar.
Generell wird die betriebliche Vorsorge aber als sehr sinnvoll erkannt. Die Befragten wünschen sich höhere laufende Beiträge aus der betrieblichen Vorsorge für ihre Pensionsbezüge.
„Die Ergebnisse bestätigen, was wir tagtäglich sehen: Das Problembewusstsein ist grundsätzlich vorhanden, aber das Wissen über die betriebliche Vorsorge ist nach wie vor sehr gering“, sagt Martin Sardelic, CEO der Valida Vorsorge Management. „Wenn wir das System nachhaltig stabilisieren wollen, müssen wir die zweite Säule deutlich stärken. Mehr Transparenz und damit mehr Vertrauen in das System und in die Veranlagung auf dem Kapitalmarkt sind dazu unerlässlich.“
Betriebliche Vorsorge muss einfach und flexibel sein
Aus Sicht der Befragten soll die ideale betriebliche Vorsorge einfach, sicher und gleichzeitig auch flexibel sein. Es besteht ein klarer Wunsch nach Wahlmöglichkeiten, etwa bei der Auszahlung, Veranlagung oder freiwilligen Zuzahlungen. Die betriebliche Vorsorge soll künftig jedenfalls einen spürbaren Beitrag zur Gesamtpension leisten. Die Befragten sind sich einig, dass es mehr Geld aus der zweiten Säule braucht.
Klare Unterschiede zeigen sich zwischen den Generationen: Jüngere sind aufgeschlossener gegenüber den Kapitalmärkten und nennen strukturelle Herausforderungen wie sinkende Geburtenraten oder spätere Berufseintritte. Ältere hingegen fokussieren auf konkrete Fragen der Fairness, Planungssicherheit und der tatsächlichen Pensionshöhe.
„Wir sehen ein Spannungsfeld: Einerseits wächst das Bewusstsein, dass das bestehende System allein nicht ausreichen wird, andererseits fehlt noch das Vertrauen in ergänzende Modelle“, sagt Philipp Mayer, Mitglied des Vorstands der Valida Vorsorge Management. „Gerade hier braucht es klare Rahmenbedingungen und gezielte Anreize, damit die betriebliche Vorsorge ihr volles Potenzial entfaltet.“
Mayer weiter: „Wenn die Menschen aufgrund der beschlossenen Reformschritte künftig selbst entscheiden müssen, ob sie die Gelder der zweiten Säule besser veranlagen lassen und zu einem Teil der monatlichen Pension machen wollen, müssen wir dringend in die Aufklärung und in die Information investieren.“
Experten für Mehrsäulen-Modell
Die befragten Geschäftsführer:innen und HR-Verantwortlichen bestätigen den Handlungsbedarf. Sie bewerten das österreichische Pensionssystem zwar grundsätzlich als stabil, sehen es jedoch durch demografische Entwicklungen, steigende staatliche Zuschüsse und strukturelle Schwächen zunehmend unter Druck.
Insbesondere die starke Abhängigkeit von der ersten Säule sowie ein vergleichsweise schwach ausgeprägtes betriebliches Vorsorgesystem werden kritisch gesehen. Langfristig erwarten die Expert:innen eine stärkere Verschiebung hin zu einem ausgewogenen Mehrsäulenmodell, in dem die betriebliche Vorsorge eine deutlich größere Rolle einnimmt. Darüber hinaus muss die Eigenverantwortung des Einzelnen gestärkt werden. Als Vorbilder werden Länder wie Dänemark genannt.
Über die Valida Vorsorge Management
Die Valida Vorsorge Management ist das Kompetenzzentrum für betriebliche Vorsorge der Raiffeisen Bank International AG und UNIQA Insurance Group AG. Die Unternehmensgruppe ist in den Geschäftsfeldern Pensionskasse, Betriebliche Vorsorgekasse – Abfertigung Neu sowie Beratung für Betriebliche Vorsorge tätig. Mit mehr als 3 Millionen Kund:innen in Österreich nimmt die Valida Gruppe eine führende Marktposition ein. Valida ist Mitglied der Raiffeisen Nachhaltigkeits-Initiative. Mehr Informationen finden Sie unter valida.at
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an: florian.stadtthaler@valida.at