Pensionssystem steht vor großen Herausforderungen

Sowohl Expert:innen als auch Erwerbstätige aller Altersgruppen sind sich einig: Das österreichische Pensionssystem braucht dringend Reformen. Besonders jüngere Menschen lehnen die „Der-Staat-wird’s-schon-richten“-Mentalität ab und zeigen sich offen für kapitalgedeckte Lösungen.

Frau im modernen Business-Umfeld

Um die Anliegen und Sorgen der heute erwerbstätigen Menschen besser zu verstehen, beauftragten wir das Marktforschungsinstitut Triple M mit der Durchführung einer Fokusgruppenbefragung zum Thema Pensionen. Dabei wurden sowohl Arbeitnehmer:innen (in den Alterskategorien Über-40 sowie Unter-40) befragt, als auch eine kleine Anzahl an Human Resources Expert:innen von Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen.

Die Ergebnisse der Umfrage

Alle Gruppen erkennen einen sehr hohen Reformbedarf beim österreichischen Pensionssystem, vor allem aufgrund des demografischen Wandels. Die Befragten rechnen im Durchschnitt damit, später eine Pension zu beziehen, die nur halb so hoch sein wird wie das Letztgehalt. Sie wünschen sich, dass die Pensionslast auf mehrere Schultern verteilt wird und nicht nahezu das gesamte Risiko bei der öffentlichen Hand liegt. Vor allem die jungen Menschen kritisieren die „Vater Staat wird es schon richten“-Mentalität.

Eine Möglichkeit, das Pensionssystem zu stärken und breiter zu diversifizieren, ist der Ausbau der zweiten Säule, den alle befragten Gruppen begrüßen. Im Schnitt wünschen sich die Menschen einen Ausbau von derzeit 4 % auf 30 %, ähnlich wie in der quantitativen Studie, die das Institut Spectra 2025 durchgeführt hat. Das bedeutet, dass im Idealfall rund 30 % der Pensionen aus der betrieblichen Vorsorge stammen sollen.

Hingegen ist das Wissen über die zweite Säule und die Möglichkeiten der Verwendung der Abfertigung Neu noch ausbaufähig - die Menschen fordern deutlich mehr Finanzbildung.

 

Vielfältige Wünsche

Auf die Frage, wie die betriebliche Vorsorge genau ausgestaltet sein soll, äußern die Befragten sehr vielfältige Wünsche. Sie wollen einerseits Sicherheit und geringe Risiken in der Kapitalanlage, andererseits aber auch möglichst hohe Pensionen, was eine hohe Rendite erfordert. Zusätzlich wünschen sie sich Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Modellen, möchten sich aber im Idealfall nicht zu sehr um ihre betriebliche Vorsorge kümmern.

Diese Wünsche wirken auf den ersten Blick vielleicht sehr fordernd oder sogar teilweise widersprüchlich. Doch Pensions- und Vorsorgekassen können vieles davon erfüllen – auch aufgrund der bevorstehenden Reformmaßnahmen. 

 

Wechsel in kostengünstiges Pensionsvorsorgeprodukt

Künftig können Erwerbstätige von der Abfertigung in die neu zu schaffende Vorsorge-Veranlagungsgemeinschaft wechseln. Das Kapital wird dabei langfristig und renditeorientiert veranlagt. Trotz des Ausbleibens einer Kapitalgarantie ist das Risiko von Verlusten aufgrund des sehr langen Anlagehorizonts von bis zu vier Jahrzehnten (in Einzelfällen sogar noch länger) denkbar gering, da sich Marktschwankungen langfristig ausgleichen.

Den Wunsch nach einer höheren Pension können sich Erwerbstätige selbst erfüllen, wenn sie sich bei Pensionsantritt für die Übertragung ihres Guthabens aus der Vorsorgekasse (sowohl Abfertigung als auch Vorsorge-Veranlagungsgemeinschaft) in eine Pensionskasse entscheiden.

Gleichzeitig kommen wir der Forderung nach minimalem Aufwand nach: Erwerbstätige müssen nur einmalig in die Vorsorge-Veranlagungsgemeinschaft optieren und bei Pensionsantritt das Kapital übertragen.

 

Pensionsvorsorge für alle Einkommensschichten

Die Betrieblichen Vorsorgekassen sind aufgrund ihres standardisierten Massengeschäftes mit entsprechend geringen Kosten prädestiniert dafür, betriebliche Vorsorge für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen. Insgesamt sind in Österreich bereits vier Millionen Arbeitnehmer:innen und Selbständige von den sieben Vorsorgekassen erfasst – wobei hier alle Einkommensschichten serviciert werden. Künftig kann dank Vorsorge-Veranlagungsgemeinschaft jede:r ein kostengünstiges Pensionsvorsorgeprodukt mit langfristiger Kapitalanlage wählen.

Reform mit kleiner Wirkung

Dennoch müssen wir leider festhalten, dass die politischen Entscheidungsträger:innen dem Wunsch der Menschen in Österreich nach einer maßgeblichen Verstärkung der betrieblichen Vorsorge zur Stabilisierung des Pensionssystems nur partiell nachgekommen sind. Die Reform der zweiten Säule stellt einen Schritt in die richtige Richtung dar – allerdings einen sehr kleinen. Eine sinnvolle Weiterentwicklung wäre es, möglichst alle Erwerbstätigen in die Vorsorge-Veranlagungsgemeinschaft einzubinden und ihnen die Möglichkeit eines Opt-outs zu geben. 

In Kürze:

  • Eine Fokusgruppenbefragung des Instituts Triple M weist auf den hohen Reformbedarf im Pensionssystem hin.
  • Die Menschen in Österreich rechnen nur mit einer Pension von rund 50% des Letztgehalts.

Durch die bevorstehende Reform der zweiten Säule entsteht für sämtliche Arbeitnehmer:innen und Selbständige die Möglichkeit, von der Abfertigung in das Pensionsvorsorgeprodukt „Vorsorge-Veranlagungsgemeinschaft“ zu wechseln.

Mag. Martin Sardelic, Vorstandsvorsitzender in der Valida Vorsorge Management

Autor

Mag. Martin Sardelic
Vorstandsvorsitzender in der Valida Vorsorge Management

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Valida Neswletter